Vom 9. bis 11. Juli 2026 gehörte das Messegelände Balingen wieder dem Metal. Das RVBANG Festival 2026 ging in die dritte Runde, und es hatte einen Gegner, den kein Timetable einplanen kann: die Hitze. Drei Tage lang stand die Sonne über dem Holy Ground, als hätte jemand vergessen, sie abzuschalten. Trotzdem war die Laune von Anfang an bestens. Oder vielleicht gerade deswegen.
Schon beim Einlass war klar, dass hier niemand jammern wird. Kutte auf, Kappe drauf, Becher in der Hand. Kurze Wege, überschaubares Gelände, keine Fußmärsche zwischen Bühne und Zeltplatz. Genau das macht das RVBANG Festival 2026 aus. Man ist in zwei Minuten überall, und man trifft dieselben Gesichter drei Tage lang wieder.
Donnerstag: Warm-up mit Ansage
Den Auftakt machten Five O Seven, danach schoben Motorjesus nach. Kein sanftes Antasten, sondern direkt Tempo. Enforcer nutzten dann den Bühnensteg konsequent aus. Der Gitarrist stand am Ende der Rampe, direkt über den ersten Reihen, Sonne im Rücken, Beine breit. Unten hoben sich die Arme, oben flogen die Haare. Solche Bilder entstehen nur, wenn Band und Publikum auf derselben Wellenlänge liegen.
Omnium Gatherum setzten am späten Abend den Schlusspunkt. Melodisch, wuchtig, präzise. Für einen Warm-up-Tag war das erstaunlich voll vor der Bühne, und die ersten Reihen standen längst, bevor es dunkel wurde.
Freitag: Von Newcomern bis zur Legende
Der Freitag baute sich klassisch auf. Tales of Valor und Cave eröffneten, Snow White Blood und Ambush zogen an. Mystic Prophecy brachten die erste richtige Welle Staub in die Luft. H.E.A.T lieferten danach den melodischsten Set des Tages, mit Refrains, die auch hinten am Merch-Stand noch mitgesungen wurden.
Orden Ogan machten dann Ernst. Volle Bühnendeko, komplette Lichtwand und Flammen, die in Fünferreihe meterhoch hochgingen. Bei über dreißig Grad noch zusätzlich Feuer auf die Bühne zu holen, ist eine Ansage. Die Hitzewelle war bis in den Pit zu spüren, und niemand ist deswegen zurückgewichen.
Und dann Michael Schenker. Spätestens jetzt wusste jeder auf dem Gelände, warum er drei Tage hier ist. Ein Gitarrist, der nichts erklären muss. Die Menge stand still und schaute zu. Solche Momente gibt es nicht oft auf einem Festival.
Samstag: Der härteste Tag
Der Samstag zog die Schrauben an. Mad Era und Broken Fate legten vor, Mission in Black und Destinity drehten auf. Lacrimas Profundere brachten Tempo raus und Dichte rein. Tankard machten daraus wieder eine Party, wie sie es seit Jahrzehnten tun.
Rage feat. Lingua Mortis Orchestra sorgten für den größten Kontrast des Wochenendes. Ein komplettes Orchester auf der Bühne, Streicher, Bläser, Kontrabass, dazu eine Dirigentin vor der Band. Riffs und Klassik, dick und trotzdem klar. Peavy Wagner, Sänger und Bassist von Rage, stand mittendrin, im Shirt, ohne Show-Getue. Das war der Moment, an dem viele einfach stehen geblieben sind.
Sonata Arctica hielten das hohe Niveau, bevor Overkill den Deckel draufmachten. Thrash ohne Kompromiss, zum Abschluss genau richtig. Wer da noch Kraft hatte, hat sie hier gelassen.
Waschstraße statt Hitzeschlag
Die eigentliche Heldin des Wochenendes war aber die Waschstraße. Ein Traversenrahmen, feine Düsen, ein Sprühnebel quer über den Weg. Wer durchlief, kam nass und grinsend wieder raus. Dazu ein Regenbogen im Wassernebel, Arme in der Luft, Becher hoch. Es war die beste Erfindung des Festivals, und sie kostete nichts.
Genau daran merkt man, dass hier Leute organisieren, die selbst auf Festivals gehen. Kein Hochglanz, aber alles da, wo es gebraucht wird. Schatten, Wasser, kurze Wege, freundliches Personal.
Kicker, Karaoke und andere Nebenschauplätze
Zwischen den Sets war das Gelände nie leer. Am Kickertisch standen Runde um Runde neue Paarungen, Bier daneben, Sonnenbrille auf, volle Konzentration. Direkt nebenan lief die Karaoke Stage von Soundcheck One. Dort griffen nicht nur die üblichen Verdächtigen zum Mikro, sondern auch der Nachwuchs. Ein Junge mit Cappy sang vor Publikum, und die Umstehenden gaben ihm mehr Applaus als manchem Profi.
Das ist der Punkt, an dem sich das RVBANG Festival 2026 von größeren Veranstaltungen abhebt. Es bleibt familiär, ohne harmlos zu werden. Trotz Hitze blieb es drei Tage lang entspannt.
Fazit zum RVBANG Festival 2026
Das RVBANG Festival 2026 hat geliefert. Ein Line-up ohne Leerlauf, drei sehr unterschiedliche Headliner, ein Gelände, das funktioniert. Und ein Publikum, das sich von der Sonne nicht die Laune verderben ließ. Dickes Dankeschön an das Team hinter dem Festival und an alle Bands, die bei diesen Temperaturen abgeliefert haben.
Wer 2027 wieder dabei sein will, kann sich den Termin schon notieren: Vom 15. bis 17. Juli 2027 geht das RVBANG in die nächste Runde. Wieder drei Tage, wieder Balingen, wieder Holy Ground.
Ein Wochenende, das hängen bleibt. Viel Spaß mit den Bildern!
